Einen weiten musikalischen Bogen
gespannt
Auch „Unspielbares" wurde virtuos
präsentiert
Konzert
bei den Kraichtaler Kirchenmusiktagen mit Björn Bagger geriet zum Höhepunkt
Fünf
Jahre ist es mittlerweile bereits her, dass seinerzeit beim Abschluss der 9.
Kraichtaler Kirchenmusiktage der Karlsruher Ausnahmegitarrist Boris Björn
Bagger in Bahnbrücken wohl eines der Highlights dieser renommierten
Konzertreihe setzte. Damals hatte er drei Musiker aus Estland dabei, unter
anderem Siiri Sisask, „die estnische Rocksängerin" schlechthin, und auch
heuer hatte er wieder den Bogen zu dieser der ihm verbundenen musikalischen
Region geschlagen, indem er Werke: zeitgenössischer estnischer Interpreten mit
in sein Programm aufgenommen hatte.
| Seine
Mitmusiker waren ebenfalls wiederum eine Klasse für sich, denn mit Annette
Struck-Vrangos an den verschieden Blockflöten und mit Detlef Tewes als den
derzeitigen Mandolinenvirtuosen schlechthin hatte er oberstes Niveau
aufgeboten, was im Laufe des Programmes auch durchgängig zu spüren war. So
wusste er dann in Landshausen mit dieser neuen extravaganten Formation auch
wieder musikalische Maßstäbe zu setzen. Zweimal nur zusammen in der
Trioformation, dramaturgisch optimal zu Beginn und Abschluss des Konzertes
gesetzt, ansonsten in wechselnden Duoformationen, spielten die drei so souverän
mit und auf ihren Instrumenten die von ihnen dargebotenen Kompositionen, als
sei es das leichteste auf der Welt und nicht das Werk jahrelanger, ja gar
jahrzehntelanger intensivster Übung und Beschäftigung mit ihrem
„Handwerkszeug" und der entsprechenden Literatur. |
IN DER
LANDSHAUSENER KIRCHE gab es in der Reihe der Kraichtaler Kirchenmusiktage ein
herausragendes Konzert. Foto:
bh
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Den
musikalischen Bogen spannten sie von der spanischen Renaissance mit Diego Ortiz
über norddeutschen Barock, europäische Liedern und argentinischen Tango bis
hin zu estnischer Musik der Moderne, wobei die drei dem Publikum zu jeder Zeit
das Gefühl vermittelten, nicht nur zu interpretieren, sondern in der „Musik
selbst zu stecken". Besonders deutlich wurde dieses bei der einleitenden
Triosonate in C-Dur von Georg Philipp Telemann, zart und verspielt dargebracht,
bei der die Musiker die Besonderheit dieses Stückes aufnahmen und ihnen in der
Interpretation die entsprechende emotionale gestalterische Kraft verliehen.
So war es
der warme, intensive Ton der Blockflöte, von größter Intonationsreinheit
gekennzeichnet, die rhythmisch exakte Gitarre speziell bei den begleitenden
Passagen und locker
dynamisch im Solo und an diesem Abend sicherlich alles überragend das
Mandolinenspiel von Detlef Tewes, das auch die anschließenden Tangos von Astor
Piazzolla prägte.
Grandios
dann die Darbietung von Carlo Munier's „Capriccio Spagnuolo op. 267", das
zuvor von Boris Bagger selber als nahezu ,,unspielbar,
da zu schwer" beschrieben wurde. Das Spektrum des kleinen
Instrumentes wurde komplett von der Komposition einbezogen und erforderte Läufe
von Schwindel erregender Geschwindigkeit in virtuoser Manier, um dieser gerecht
zu werden, gepaart mit überragendem musikalischen Einfühlungsvermögen.
Bei den
Kompositionen der estnischen Komponisten Urmas Sisask und Lepo Sumera, die beide
ihre Werke Boris Bagger gewidmet haben, stand nicht der technische Aspekt im
Vordergrund, sondern wie bei vielen nordischen Komponisten eher die musikalische
Darstellung der heimischen Landschaft, mit weichem melancholischem Unterton, der
von den dreien bezaubernd dem spirituellen Charakter adäquat rübergebracht
wurden!
Dass
dieses Ensemble nicht um Zugaben herumkam, war selbstverständlich und so gab es
noch zwei zeitgenössische Stücke mit eher improvisiertem Charakter, bei denen
man den Musikern ihre ganze Spielfreude auch ansah. Hoffentlich muss das sehr
zahlreich erschienene fachkundige Publikum nicht noch einmal, fünf Jahre
warten, bis Ernst Daubenberger wieder Boris Bagger nach Kraichtal einlädt, um
auch dann wieder nicht alltägliche musikalische Darbietungen auf höchstem
Niveau genießen zu können.
Thomas von
Haefen