Leverkusener Anzeiger 18.12.2007
Auf dass die Herzen lustig im Takt
mithüpfen
Beim Mandolinenkonzert in Bergisch
Neukirchen tanzten die Putten.
VON ULLA JONEN
Es war ein freudvolles, ein heiteres
Konzert. Mandolinen lockten die Sonne ins Gotteshaus mit
seinem verspielten barocken Altar. Und die Putten schienen
zu tanzen. Nein, Sauertöpfe hatten am Sonntagnachmittag in
der evangelischen Kirche in Bergisch Neukirchen keine
Chance, so beschwingt spielte das Mandolinen-Orchester Bayer
Leverkusen bei seinem Weihnachtskonzert „Jubilate"
auf Es wurde jubiliert, es wurde gejauchzt ob der kommenden
Geburt Christi – eine Stunde lang und allen voran
Orchesterleiter Detlef Tewes. Der führte seine Zupfer so
ganz und gar lustvoll und leicht durch Werke von dall'
Abaco, Vivaldi, Mozart und Bach, dass die Zuhörerherzen hüpften.
Wo ist die Anstrengung geblieben, wo die Disziplin, die
gewiss nötig ist, will man den alten Meistern musikalische
Hochachtung zollen? Sie schien wie weggeweht. Wenn dann noch
Julia Hoppe in die Saiten griff und den Ton angab, dann war
man angekommen in der so freudvollen Vorweihnachtszeit.
Feinsinnig begleiteten die Musiker die junge Frau, die schon
so viele Erfolge mit ihrer Mandoline feiern konnte. Was sie
dem hölzernen Bauch entlockte, das sorgte für anerkennende
Stille bei den rund 200 Besuchern. Wunderbar intonierten die
Akteure das Concerto in D-Dur von Antonio Vivaldi, das Tewes
stilgerecht für Mandolinen-Ensembles zurecht gezupft hatte.
Mal frisch und flink, mal zutiefst
melancholisch, mal erhaben: Das Mandolinen-Orchester fühlte
sich innigst in die Stimmungen ein und vermochte sie virtuos
darzustellen. Mit einem Traditional, das bekannte
Weihnachtslieder aufgriff, und das auch von den beiden Flötisten
Doris Kanschik und Johannes Burbach gestaltet wurde, sollte
das Konzert eigentlich enden. Aber die Menschen wollten
mehr. Und Tewes wusste auch genau, was sie wollten: die
„Petersburger Schlittenfahrt“ Jetzt wiegten sich die Zuhörer
im Rhythmus, klatschten und gaben den Takt mit den Füßen
an, ganz zu Freude der Musiker.
Sehr schön war, dass das Ensemble die
Besucher zum Schluss einlud, Weihnachtslieder zu singen und
damit zeigte, dass zwischen großem musikalischen Können
und einen bisschen Volkstümlichkeit überhaupt kein
Widerspruch besteht – ist die Freude nur groß
genug.
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