Knapp
einen Monat ist es her, dass das wohl berühmteste Geburtstagskind des Jahres
gefeiert wurde. Es muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden, um wen es sich
handelt. Schon allein weil ihm das Jahr 2006 gewidmet ist, kursiert er in aller
Munde. Da jetzt aber mal wieder eine CD mit einer Auswahl seiner Werke erschien,
muss er selbstredend als Komponist genannt werden. Es handelt sich natürlich um
W. A. Mozart, der am 27. Januar vor 250 Jahren in Salzburg geboren wurde.
In
seinem Oeuvre finden sich Kompositionen für verschiedene Besetzungen, nur nicht
für Mandoline und Gitarre. Und schon deswegen ist die Einspielung ‘Mozart for
mandolin and guitar’ eine Rarität. Sie enthält hervorragende Bearbeitungen
Mozartscher Werke durch den Mandolinisten Detlef Tewes und den Gitarristen Boris
Björn Bagger. Beide spielen auf der bei Antes Edition erschienenen Einspielung
zum wiederholten Male zusammen.
‘ohne
reisen ist man wohl ein armseeliges geschöpf’
Mozart
unternahm in seinem kurzen Leben siebzehn Reisen, die ihn quer durch Europa
brachten. War er mal nicht der Kunst wegen unterwegs, lebte er bis 1781 in
Salzburg, wo er 1780 das ‘Laudate dominum’ aus ‘Vesperae solennes de
Confessore’ KV 339 komponierte. Dieses Werk ist sowohl in einer Duofassung als
auch in einer Mandolinenorchestervariante auf der Einspielung zu hören. Freunde
des Tremolos kommen hier aufgrund der Tonklarheit und sauberen Technik voll und
ganz auf ihre Kosten. Das leise anrückende Tremolo des Mandolinenorchesters
erinnert an einen hauchenden Engelschor und erzeugt beim Hörer eine angenehme Gänsehaut.
Wie auf der gesamten CD sind auch hier die Phrasierungen wunderbar heraus
gearbeitet.
Von
1781 bis zu seinem Lebensende wohnte Mozart in Wien. Dort sind alle anderen
Werke der Einspielung entstanden. Hierzu gehören zwölf Variationen fürs
Klavier über das Lied ‘Ah, vous dirai-je, Maman’ KV 265. Es ist uns besser
bekannt als ‘Morgen kommt der Weihnachtsmann’. Tewes und Bagger beweisen in
neun Variationen ihre hohe Virtuosität. Trotz eines ungemein schnellen Tempos
verlieren sie nicht ihre musikalische Ausdruckskraft.
‘Marcia’
KV 408/1 (KV 383e, im Booklet ist fälschlicherweise KV 383c vermerkt) und das
Schwesterstück KV 408/3, welches nicht erklingt, sind die einzigen Märsche,
die Mozart in Wien geschrieben hat. Ein Jahr nach ihnen, 1783, entstand die
‘Sonate’ KV 331 fürs Klavier. Hier beeindrucken beide Musiker mit
fantastischen Artikulationen und einer das ganze Stück prägenden Leichtigkeit.
‘bin
in den größten Häusern beliebt und angesehen’
Mozart
wird auch heute noch als großer Opernkomponist gefeiert, und aus den Opernhäusern
ist er u. a. mit ‘Le nozze di Figaro’ KV 492 und ‘Die Zauberflöte’ KV
620 nicht mehr weg zu denken. Aus dem Figaro spielt das Duo die Arietta ‘Voi
che sapete che cosa è amor’ des Cherubino und, wie soll es anders sein,
erklingt aus der Zauberflöte die Arie der Königin der Nacht ‘Der Hölle
Rache kocht in meinem Herzen’. Extremer könnten die Gefühlslagen nicht gewählt
werden. Nach den zarten Tönen des Cherubino, steigert sich die Wut bei der König
bis ins Höchste. Besser als es hier gespielt wird, könnte es nicht gesungen
werden.
Im
August 1787 komponierte Mozart ‘Die Kleine Nachtmusik’ KV 525 zur
Bereicherung seines kammermusikalischen Repertoires. Schon mit dieser CD-Ouvertüre
ist klar, dass die Besetzung – sowohl instrumental als auch personell - eine
erstklassige Hommage an das Genie ist.
In
den Monaten Juni bis Oktober 1788 entstanden u. a. vier Klaviertrios und zwei
Sonaten, zu welcher die ‘Sonate’ KV 545 zählt. 1791 komponierte Mozart die
Motette ‘Ave verum corpus’ KV 618 zum Fronleichnamsfest. Hier ist die
Gitarre im Gegensatz zu allen anderen Tracks zu markant und unterstützt außerdem
die Phrasierungen der Mandoline zu wenig. Sie wird in ihrem zarten Tremolo fast
überdeckt. Aber dies tut der hohen musikalischen Qualität der Einspielung
keinen Abbruch. Mit dem ‘Adagio C-Dur für Glasharmonika’ KV 356 ist das
CD-Repertoire komplett, und es bleibt mir nur noch mit Mozarts Worten zu sagen:
‘Adieu, nächstens mehr’.